farm food Gründerwerkstatt

Wie viel Land(-wirtschaft) steckt in der Stadt?

Junge Gründer und Entrepreneure diskutierten vergangene Woche in Berlin über Konzepte und Ideen, die Landwirtschaft in der Stadt sichtbar machen. (Foto: Rentenbank / Felix Jürgen Holland)

Wie zwei Welten prallen Stadt und Land immer stärker aufeinander. Statt Schwarz-Weiß-Malerei braucht es Ideen zur Annäherung - und zwar mehr denn je. Gründer, Blogger und Vertreter aus Politik und Verbänden diskutierten dazu in Berlin. Denn die Konflikte zeigen auch: Stadt und Land müssen voneinander lernen.

Für viele Städter ist Landwirtschaft vor allem eines: weit weg. Kontakte zu „echten“ Landwirten werden immer seltener. Nicht einmal jeder zweite Stadtbewohner hat schon persönlich mit einem Landwirt gesprochen, geschweige denn einen Hof besucht. Das stellte das Forsa-Institut jüngst in einer Studie fest. Andersherum sieht es ganz ähnlich aus: Metropolen wie Berlin, Hamburg oder Köln sind oftmals kilometerweit entfernt. Urbane, alternative Lebensweisen und Einstellungen erscheinen im eigenen – ländlichen – Alltag deplatziert.

Eine Distanz mit Konfliktpotential – das zeigt nicht zuletzt ein Blick in die deutsche Talkshow-Landschaft: hier der verklärte Veganer, dort der Großagrarier mit Massentierhaltung, hier bio, dort konventionell. Doch statt platter Pauschalisierungen und Schwarz-Weiß-Malerei sind vielmehr innovative Ideen, Projekte und Menschen gefragt, die Stadt und Land wieder einander näher bringen.

Konflikte fordern Wandel

Mitten in Berlin sollte diese Annäherung am Mittwoch vergangener Woche angestoßen werden. Auf Einladung des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums und der Landwirtschaftlichen Rentenbank diskutierten rund 120 Teilnehmer gemeinsam mit jungen Gründern, Bloggern sowie Vertretern aus Politik und Verbänden über die Frage: „Wie viel Land(-wirtschaft) steckt in der Stadt?“ (wer auf dem Podium diskutierte, erfahrt ihr hier).

Nicht nur auf dem Podium wurde diskutiert. Beim anschließenden Empfang wurde der Austausch ganz praktisch an "kulinarischen Botschaftern" aus Stadt und Land erprobt. (Fotos: Rentenbank / Felix Jürgen Holland)

Dass trotz zunehmender Entfremdung Stadt und Land auf ganz unterschiedliche Weisen miteinander verbunden sind, unterstrich die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast. Nicht nur klassische Lieferbeziehungen (Lebensmittel kommen vom Land in die Stadt, die widerum Kaufkraft stellt) binden Stadt und Land aneinander. „Stadt und Land sind ebenso über ihr Konfliktverhältnis miteinander verbunden“, so Otte-Kinast.

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Wie zwei Welten prallen Stadt und Land immer stärker aufeinander. Statt Schwarz-Weiß-Malerei braucht es Ideen zur Annäherung – und zwar mehr denn je. Gründer, Blogger und Vertreter aus Politik und Verbänden diskutierten dazu in Berlin. Denn die Konflikte zeigen auch: Stadt und Land müssen voneinander lernen.

Für viele Städter ist Landwirtschaft vor allem eines: weit weg. Kontakte zu „echten“ Landwirten werden immer seltener. Nicht einmal jeder zweite Stadtbewohner hat schon persönlich mit einem Landwirt gesprochen, geschweige denn einen Hof besucht. Das stellte das Forsa-Institut jüngst in einer Studie fest. Andersherum sieht es ganz ähnlich aus: Metropolen wie Berlin, Hamburg oder Köln sind oftmals kilometerweit entfernt. Urbane, alternative Lebensweisen und Einstellungen erscheinen im eigenen – ländlichen – Alltag deplatziert.

Eine Distanz mit Konfliktpotential – das zeigt nicht zuletzt ein Blick in die deutsche Talkshow-Landschaft: hier der verklärte Veganer, dort der Großagrarier mit Massentierhaltung, hier bio, dort konventionell. Doch statt platter Pauschalisierungen und Schwarz-Weiß-Malerei sind vielmehr innovative Ideen, Projekte und Menschen gefragt, die Stadt und Land wieder einander näher bringen.

Konflikte fordern Wandel

Mitten in Berlin sollte diese Annäherung am Mittwoch vergangener Woche angestoßen werden. Auf Einladung des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums und der Landwirtschaftlichen Rentenbank diskutierten rund 120 Teilnehmer gemeinsam mit jungen Gründern, Bloggern sowie Vertretern aus Politik und Verbänden über die Frage: „Wie viel Land(-wirtschaft) steckt in der Stadt?“ (wer auf dem Podium diskutierte, erfahrt ihr hier).

Nicht nur auf dem Podium wurde diskutiert. Beim anschließenden Empfang wurde der Austausch ganz praktisch an „kulinarischen Botschaftern“ aus Stadt und Land erprobt. (Fotos: Rentenbank / Felix Jürgen Holland)

Dass trotz zunehmender Entfremdung Stadt und Land auf ganz unterschiedliche Weisen miteinander verbunden sind, unterstrich die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast. Nicht nur klassische Lieferbeziehungen (Lebensmittel kommen vom Land in die Stadt, die widerum Kaufkraft stellt) binden Stadt und Land aneinander. „Stadt und Land sind ebenso über ihr Konfliktverhältnis miteinander verbunden“, so Otte-Kinast.

Die Landwirtschaft steht aktuell an einem Scheideweg: Ökonomie und Ökologie müssen in Einklang gebracht werden.

Barbara Otte-Kinast

Das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Wertesysteme, (Aus-)Bildungen und Sozialisationen zeige der Landwirtschaft auch die Notwendigkeit auf, sich zu ändern. „Die Landwirtschaft steht aktuell an einem Scheideweg: Ökonomie und Ökologie müssen in Einklang gebracht werden. Gleichzeitig muss dieser Wandel aber für die Landwirte gestaltbar sein“, so die Ministerin. Food-Blogger und Gründer Hendrik Haase wird noch deutlicher: „Die Menschen haben berechtigte Fragen zur Landwirtschaft. Die Branche hat es aber jahrzehntelang verschlafen, diese ehrlich zu beantworten.“

Das Land in die Stadt holen

Mit „Hoffnung machenden Brücken“ möchte Otte-Kinast den Wandel begleiten. Was abstrakt anmutet, meint in der Praxis Projekte und Menschen, die Landwirtschaft in die Städte holen und sie dort erfahrbar machen. Das können Food-Blogger ebenso wie ein Hofladen mitten in Hannover oder eine Berliner Aquaponik-Anlage sein.

Auch wenn der überwiegende Teil der Lebensmittel weiterhin außerhalb der Städte produziert werde, könne Landwirtschaft in den Metropolen stattfinden: „Gemüse- und Fischzucht in der Stadt – ja warum denn eigentlich nicht?“, bringt es die Ministerin auf den Punkt. Der Gründer und CEO des Berliner Start-ups ECF-Farmsystems Nicolas Leschke ergänzt: „Für uns ist es wichtig, in der Stadt zu produzieren, weil wir hier eine Sichtbarkeit haben. Allein in der vergangenen Woche habe ich sieben Schulklassen durch unsere Anlage geführt.“

Start-ups, Gründer und Blogger als Antreiber der Annäherung

Start-ups, Gründer, Blogger und Co. nehmen in den Städten eine wichtige Schnittstellenfunktion ein. Das hat die Diskussion gezeigt. Es wurde aber ebenso deutlich, dass Politik, Verwaltung und Finanzinstitute mit dem Bedarf der jungen Unternehmen oftmals nicht Schritt halten können. „Wir müssen in Deutschland einen Zahn zulegen und mehr Unternehmergeist und Mut fördern“, stellt Hendrik Haase klar.

„Als ich meine Metzgerei aufmachen wollte, habe ich von den Banken nur gehört: Metzgereien schließen überall, die machen nicht auf. Das Startkapital stellte letztlich unter anderem eine bäuerliche Erzeugergemeinschaft.“ Auch Fabio Ziemßen, Director Food Innovation bei der METRO AG, sieht Aufholbedarf in der deutschen Gründerkultur: „Die Trend-Hotspots im Food-Bereich liegen nicht in Deutschland, sondern in Wageningen, Tel Aviv und im Silicon Valley.“

Wir müssen in Deutschland einen Zahn zulegen und mehr Unternehmergeist und Mut fördern.

Hendrik Haase, Blogger und Gründer der Metzgerei „Kumpel und Keule“

Zumindest an diesem Abend scheint der Appell der jungen Gründer in der Politik Gehör zu finden: „Wir müssen die Annäherung von Stadt und Land aktiv begleiten“, hebt Otte-Kinast hervor. „Und wenn dabei am Ende die Gründung eines Food-Valleys in Vechta herauskommt, dann ist das ein Erfolg.“

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion

  • Uta Kuhlmann-Warning: Geschäftsführerin des Start-ups Hoftalente, Hannover
  • Nicolas Leschke: Gründer und CEO von ECF Farmsystems, Berlin
  • Fabio Ziemßen: Director Food Innovation, NX-Food der METRO-AG, Düsseldorf
  • Hendrik Haase: Blogger, Berater und Gründer der Metzgerei „Kumpel und Keule“ , Berlin
  • Moderation: Dietrich Holler (vox vidris, Berlin)