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Wiedergeburt des Ackerbaus

Wenn die Pflugsohle stark verdichtet ist, können Maiswurzeln diese nicht mehr durchdringen. Sie müssen sich mit einem deutlich beschränkten Wurzelraum zufrieden geben. Daraus resultieren Ertragseinbußen. (Foto: Borgmann)

Der Boden, auf dem Landwirte Getreide, Rüben oder Kartoffeln anbauen, ist entschieden mehr als nur der Standort dieser Pflanzen. Er speichert Wasser, Nährstoffe und beherbergt eine unvorstellbar große Population von Bodenlebewesen. Alle Faktoren zusammen ergeben die Fruchtbarkeit eines Bodens. Eine Beitragsserie aus dem Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben zeigt auf, mit welchen Maßnahmen Ackerbauern diese erfolgreich erhalten oder sogar steigern.

Bodenfruchtbarkeit sinkt

Nach dem aktuellen Bericht des Welt-Biodiversitätsrates der UNO, Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES), nimmt nicht nur die Anzahl der Arten weltweit dramatisch ab, auch die Bodenfruchtbarkeit sinkt. Viele Landwirte können das bestätigen, denn sie stellen fest, dass die Zeiten der satten Ertragszuwächse in fast allen Früchten scheinbar vorbei sind. Natürlich gibt es gelegentlich Rekordjahre, wie etwa 2017 in Zuckerrüben. Trotzdem bereitet es Landwirten immer größere Schwierigkeiten, die Ertragspotenziale der neuen Sorten, die diese schon eindrucksvoll in den Landessortenversuchen unter Beweis gestellt haben, im Praxisanbau zu wiederholen.

Den Betroffenen reicht der Verweis auf den Klimawandel als alleinige Erklärung aber nicht.

Martin Borgmann

Einige Landwirte fragen sich auch, was mit ihren Böden los ist, da es nicht möglich ist, hohe Erträge bewährter Sorten nach Jahren nochmals zu erzielen. Den Betroffenen reicht der Verweis auf den Klimawandel als alleinige Erklärung aber nicht. Es sieht so aus, als wenn dem Boden im wahrsten Sinne des Wortes die Puste ausgeht.

Der Mais begann im vergangenen Sommer, schon am Vormittag die Blätter einzurollen, weil das Wasserhaltevermögen des Bodens frühzeitig erschöpft war. (Foto: Borgmann)

Verdichtungen verhindern

Schwerere Böden mit Bodenverdichtungen verfärben sich gräulich blau und riechen unangenehm. Der sehr eingeschränkte Gas­austausch führt zu Fäulnis und nicht zu der gewünschten Rotte Organischer Substanz. Das geringe Porenvolumen hat sehr unterschiedliche Ursachen:

  • Starkregen verschlämmen gefährdete Böden, etwa Lösslehme oder Böden mit zu niedrigem pH-Wert, die deshalb nur unzureichend stabile Krümel ausbilden. Im ersten Fall lassen sich diese mit Striegeln, Hacken oder Cambrigde-Walzen beseitigen. Den niedrigen pH-Wert kann nur regelmäßiges Kalken anheben, die richtige Dosierung ergibt sich aus der Analyse einer Bodenprobe.
  • Natürliche Dichtlagerungen bis zur Krumentiefe auf sehr leichten Böden, die sich aber durch eine angepasste Bodenbearbeitung auflockern lassen.
  • Verdichtungen durch die Bodenbearbeitung selbst, wenn z.  B. ein Boden in einem zu feuchten Zustand bearbeitet wird. Die bekanntesten sind die Pflug­soh­len­verdichtungen, wenn neben dem Vorgenannten über viele Jahre immer die gleiche Bearbeitungstiefe gewählt wird. Weniger häufig, aber im Ergebnis ähnlich drastisch, sind Verdichtungen durch eine zu intensive Arbeit mit der Kreiselegge. So entsteht unter Umständen ein verdichteter Horizont auf der Arbeitstiefe der Kreiseleggenzinkenspitze, den die Wurzeln der jungen Pflanzen erst noch durchbrechen müssen.
  • Die schwierigsten Verdichtungen erzeugen aber die schweren Fahrzeuge, da diese tief in den Boden einwirken und sich nur langwierig und aufwendig beheben lassen. Deshalb diskutieren Landwirte und Berater seit einigen Jahren, ob z.  B. moderne Gülleausbringfässer wirklich ein Fassungsvermögen von 25 m3 oder mehr haben müssen.
Leguminosen wie Ackerbohnen in Fruchtfolgen heben den Humusgehalt an, wenn gleichzeitig die Bodenbearbeitung möglichst oft pfluglos erfolgt. (Foto: Borgmann)

Wurzelraum aktivieren

Um entstandene Bodenverdichtungen wieder zu beseitigen, reicht eine einmalige mechanische Tiefenlockerung in der Regel nicht. Zunächst ist zu klären, in welcher Tiefe des Bodengefüges die Schadverdichtung vorliegt. Das lässt sich schnell mit Bodensonden feststellen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, mit einem Spaten vor der Ernte den Boden aufzugraben. Dann zeigen die Pflanzen mit ihren Wurzeln selbst an, wo sie ein Problem haben.

Grundsätzlich leiden alle Pflanzen unter einem eingeschränkten Wurzelraum, besonders deutlich reagiert aber der Mais mit einem verringerten Pflanzenwachstum. Wenn der Wurzelraum dann in Trockenjahren wie 2018 auf nur 25 cm beschränkt ist, kann der Mais Wasservorräte in tieferen Bodenschichten nicht nutzen. Solche Dürresommer sind aber besonders geeignet, eine mechanische Tiefenlockerung durchzuführen. Bei feuchtem Boden wird die Pflugsohlenverdichtung nur weiter nach unten verlagert.

Wenn der Boden nicht tief, aber flächendeckend verdichtet ist, haben sich Grubber mit wenigen Stielen, aber breiten Scharen bewährt. Sie heben den gesamten Erdbalken oberhalb der Verdichtung nur etwas an, er bricht dann an der hinteren Kante der Schare wieder ab. Die Wurzeln der folgenden Zwischenfrucht nutzen die entstandenen Hohlräume wie „Autobahnen“ für ein schnelles Eindringen in tiefere Bodenschichten.

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Wetterextreme und Wegfallen bewährter Pflanzenschutzmittel bereiten Pflanzenbauern Sorgen. Die wirtschaftlichen Folgen fallen aber geringer aus, wenn ein intensiver Ackerbau Böden und damit die Bestände in Schwung bringt.

Dieser Beitrag ist zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben (26/2019) erschienen.

Der Boden, auf dem Landwirte Getreide, Rüben oder Kartoffeln anbauen, ist entschieden mehr als nur der Standort dieser Pflanzen. Er speichert Wasser, Nährstoffe und beherbergt eine unvorstellbar große Population von Bodenlebewesen. Alle Faktoren zusammen ergeben die Fruchtbarkeit eines Bodens. Eine Beitragsserie aus dem Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben zeigt auf, mit welchen Maßnahmen Ackerbauern diese erfolgreich erhalten oder sogar steigern.

Bodenfruchtbarkeit sinkt

Nach dem aktuellen Bericht des Welt-Biodiversitätsrates der UNO, Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES), nimmt nicht nur die Anzahl der Arten weltweit dramatisch ab, auch die Bodenfruchtbarkeit sinkt. Viele Landwirte können das bestätigen, denn sie stellen fest, dass die Zeiten der satten Ertragszuwächse in fast allen Früchten scheinbar vorbei sind. Natürlich gibt es gelegentlich Rekordjahre, wie etwa 2017 in Zuckerrüben. Trotzdem bereitet es Landwirten immer größere Schwierigkeiten, die Ertragspotenziale der neuen Sorten, die diese schon eindrucksvoll in den Landessortenversuchen unter Beweis gestellt haben, im Praxisanbau zu wiederholen.

Den Betroffenen reicht der Verweis auf den Klimawandel als alleinige Erklärung aber nicht.

Martin Borgmann

Einige Landwirte fragen sich auch, was mit ihren Böden los ist, da es nicht möglich ist, hohe Erträge bewährter Sorten nach Jahren nochmals zu erzielen. Den Betroffenen reicht der Verweis auf den Klimawandel als alleinige Erklärung aber nicht. Es sieht so aus, als wenn dem Boden im wahrsten Sinne des Wortes die Puste ausgeht.

Der Mais begann im vergangenen Sommer, schon am Vormittag die Blätter einzurollen, weil das Wasserhaltevermögen des Bodens frühzeitig erschöpft war. (Foto: Borgmann)

Verdichtungen verhindern

Schwerere Böden mit Bodenverdichtungen verfärben sich gräulich blau und riechen unangenehm. Der sehr eingeschränkte Gas­austausch führt zu Fäulnis und nicht zu der gewünschten Rotte Organischer Substanz. Das geringe Porenvolumen hat sehr unterschiedliche Ursachen:

  • Starkregen verschlämmen gefährdete Böden, etwa Lösslehme oder Böden mit zu niedrigem pH-Wert, die deshalb nur unzureichend stabile Krümel ausbilden. Im ersten Fall lassen sich diese mit Striegeln, Hacken oder Cambrigde-Walzen beseitigen. Den niedrigen pH-Wert kann nur regelmäßiges Kalken anheben.
  • Natürliche Dichtlagerungen bis zur Krumentiefe auf sehr leichten Böden, die sich aber durch eine angepasste Bodenbearbeitung auflockern lassen.
  • Verdichtungen durch die Bodenbearbeitung selbst, wenn beispielsweise ein Boden in einem zu feuchten Zustand bearbeitet wird.
  • Die schwierigsten Verdichtungen erzeugen aber die schweren Fahrzeuge, da diese tief in den Boden einwirken und sich nur langwierig und aufwendig beheben lassen.
Leguminosen wie Ackerbohnen in Fruchtfolgen heben den Humusgehalt an, wenn gleichzeitig die Bodenbearbeitung möglichst oft pfluglos erfolgt. (Foto: Borgmann)

Wurzelraum aktivieren

Um entstandene Bodenverdichtungen wieder zu beseitigen, reicht eine einmalige mechanische Tiefenlockerung in der Regel nicht. Zunächst ist zu klären, in welcher Tiefe des Bodengefüges die Schadverdichtung vorliegt. Das lässt sich schnell mit Bodensonden feststellen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, mit einem Spaten vor der Ernte den Boden aufzugraben. Dann zeigen die Pflanzen mit ihren Wurzeln selbst an, wo sie ein Problem haben.

Grundsätzlich leiden alle Pflanzen unter einem eingeschränkten Wurzelraum, besonders deutlich reagiert aber der Mais mit einem verringerten Pflanzenwachstum. Wenn der Wurzelraum dann in Trockenjahren wie 2018 auf nur 25 cm beschränkt ist, kann der Mais Wasservorräte in tieferen Bodenschichten nicht nutzen. Solche Dürresommer sind aber besonders geeignet, eine mechanische Tiefenlockerung durchzuführen. Bei feuchtem Boden wird die Pflugsohlenverdichtung nur weiter nach unten verlagert.

Üppige Zwischenfrüchte speichern nicht nur Stickstoff, sondern beseitigen mit ihren tiefen Wurzeln auch Verdichtungen und bilden organische Masse. (Foto: Borgmann)

Humus ist A und O

Böden mit niedrigen Humusgehalten können nur wenig Wasser und Nährstoffe speichern. Mit verschiedenen Möglichkeiten lässt sich der Humusgehalt aber anheben. Es ist sinnvoll, die Bodenbearbeitung und die Bearbeitungstiefe auf das Notwendigste zu beschränken. Ein hoher Sauerstoffeintrag regt die mikrobielle Umsetzung Organischer Substanz und damit den Humus­abbau an.

Es ist sinnvoll, die Bodenbearbeitung und die Bearbeitungstiefe auf das Notwendigste zu beschränken.

Martin Borgmann

Jeder Eintrag von Organischer Substanz wirkt in der Regel positiv auf den Humusgehalt. Dabei ist es relativ egal, ob sie aus Ernterückständen, Kompost, Mist, Gülle oder Zwischenfrüchten stammt. Wichtig ist aber, die Rotte der organischen Masse durch eine möglichst flache Einarbeitung gezielt zu fördern und damit eine unkontrollierte Fäulnis unter Sauerstoffabschluss zu unterbinden. Ein tiefes Vergraben grüner Pflanzen sollte deshalb unterbleiben.

Fruchtfolgen gestalten

Eine sinnvolle Reihenfolge der einzelnen Früchte gehört zu den althergebrachten Werkzeugen des Ackerbaus. Viele Betriebsleiter haben in den vergangenen Jahren die Erfahrung machen können, dass die Bestände mit sehr weit gestellten Fruchtfolgen viel stressstabiler sind als die Kulturen mit drei oder nur zwei Gliedern. Dabei hat sich herausgestellt, dass die weiten Fruchtfolgen zwar mit einem geringeren Anteil erlösstarker Früchte auskommen müssen. Mehrere Faktoren gleichen den vermeintlichen Nachteil aber aus:

  • Der Aufwand für Pflanzenschutz und Düngemittel nimmt häufig ab.
  • Die Erträge schwanken in weiten Fruchtfolgen relativ weniger.
  • Der Wechsel von Winter- zu Sommerung schafft nicht nur bei andauerndem nassen Herbstwetter Freiräume. Zusätzlich entzerrt der Fruchtwechsel Arbeitsspitzen.

pH-Wert passt zur Bodenart

Wenn der pH-Wert des Bodens zu tief liegt, bilden sich kaum die wichtigen Krümelstrukturen, die zu einem stabilen Bodengefüge führen. So sind Wasserbewegungen und Gasaustausch beeinträchtigt, was sich negativ auf das Wurzelwachstum niederschlägt. Wenn der pH-Wert deutlich unter 4 liegt, wird sogar ein Element wie Aluminium pflanzenverfügbar, das ist aber in der Regel toxisch.

Häufig sind unausgewogen ernährte Pflanzen anfälliger gegen Krankheiten und eher Ziel von Schadinsekten.

Martin Borgmann

Bei einem zu hohen pH-Wert werden Mikronährstoffe wie Zink festgelegt, was zu Mangelerscheinungen führt. Wenn Düngungsmaßnahmen über das Blatt den Mangel nicht beseitigen, wirkt sich das nicht nur negativ auf den Ertrag aus. Häufig sind unausgewogen ernährte Pflanzen anfälliger gegen Krankheiten und eher Ziel von Schadinsekten.

Außerdem heizt ein hoher pH-Wert die mikrobielle Umsetzung Organischer Substanz an, was den Humusgehalt des Bodens senkt. Deshalb ist es wichtig, den pH-Wert des Bodens zu kennen. Die Ergebnisse der regelmäßigen Bodenproben informieren automatisch über den pH-Wert in der Ackerkrume. Dabei stellen die Labore seit Jahren aber einen nicht gedeckten Calcium-Bedarf von etwa 500 kg CaO/ha fest, nur Flächen mit rübenreichen Fruchtfolgen stellen eine Ausnahme dar.

Die Labore versenden mit den Prüfberichten Empfehlungen zur Düngung. Diese erläutern, wie die einzelnen Ergebnisse zu interpretieren sind und ob Düngemaßnahmen notwendig erscheinen. Diese Wertungen beziehen sich immer auf eine Bodenart und, wie bei der Kalkempfehlung, auf einen Humusgehalt.

Mit einem richtig eingestellten pH-Wert lassen sich nicht nur gute Erträge erzielen, auch der Aufwand für die Bodenbearbeitung sinkt. Die stabilen Bodengefüge und die Organische Substanz sorgen für einen geringeren Widerstand, was Dieselverbrauch und Maschinenverschleiß nachhaltig positiv beeinflusst.

Bodenleben aktivieren

Der Boden auf dem Acker ist keine sterile Masse, vielmehr wird er von vielen Lebewesen besiedelt. Sie sorgen wie die Regenwürmer für eine bessere Belüftung und zersetzen organische Rückstände wie Stroh. Um einen tätigen und damit stressstabilen Boden zu bekommen, ist es notwendig, das Bodenleben zu fördern. Ein wichtiger Punkt ist dabei, die Zeiten der Bodenruhe möglichst auszudehnen. Wenn sich die Bodenbewohner richtig wohlfühlen, fressen sie die verschiedenen Samen im Boden. So reduzieren sie ohne Chemie das Samenpotenzial von beispielsweise Ausfallraps oder Ackerfuchsschwanz und fördern auf natürliche Art die wichtige Ackerhygiene.