food future Interview

Wiesenhof als Proteinlieferant

Eine Verpackung von Beyond Meat, in das Wiesenhof investiert.
Die PHW-Gruppe, zu der auch die Geflügelmarke Wiesenhof gehört, investiert seit längerem in Start-ups, die alternative Proteinquellen verarbeiten. Beyond Meat ist nur eines davon. Auch in In-Vitro-Fleisch investiert der deutsche Konzern. (Foto: Beyond Meat)

Marcus Keitzer: Wir glauben an Wachstum durch Vielfalt. Wir sind als Unternehmen schon immer unkonventionelle Wege gegangen und verfolgen einen differenzierten Ansatz. Unsere Aufgabe als Lebensmittelhersteller ist es, für den Verbraucher viele verschiedene und überzeugende Angebote zu schaffen. Das tun wir: Wir bieten eine breite Produktpalette von konventionell erzeugtem Geflügelfleisch über Privathof-Geflügel (ein Haltungskonzept des Konzerns mit einem Mehr an Tierschutz, Anm. d. Red.) bis zu einem veganen Sortiment, das künftig um Produkte aus Zellkulturen ergänzt wird. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir unsere Produktpalette breiter aufstellen und uns als Anbieter von hochwertigen Proteinprodukten positionieren.

Die konventionelle Geflügelhaltung bleibt unser Stammgeschäft - auch noch in den nächsten 30 Jahren.

Marcus Keitzer

Die pflanzliche Ernährung hat sich in den vergangenen Jahren spürbar nach oben entwickelt. Dadurch ist eine interessante Nische entstanden. Unternehmen wie Beyond Meat und Good Catch stehen für die nächste Generation pflanzlicher Proteine. Klar ist aber, dass die konventionelle Geflügelhaltung weiter unser Stamm- und Kerngeschäft bleiben wird – und das auch noch in den nächsten 30 Jahren.

f3: Ein Verfahren für die industrielle IVF-Produktion ist noch nicht in Sicht. Entzieht In-vitro-Fleisch den Landwirten von morgen die Grundlage ihres Geschäftsmodells?

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Das Vorstandsmitglied der PHW-Gruppe, Marcus Keitzer, leitet den neu geschaffenen Bereich „alternative Proteinquellen“. Mit f3 spricht er über das Potenzial von In-vitro-Fleisch.

f3: Die PHW-Gruppe beteiligte sich an SuperMeat, das IVF herstellen will, und hält eine Vertriebspartnerschaft mit Beyond Meat, das pflanzliche Fleischersatzprodukte vermarktet. Wie passt das in die Strategie eines Geflügelkonzerns? Wie sehen Sie den Markt in 30 Jahren?

Marcus Keitzer ist Vorstandsmitglied der PHW-Gruppe und leitet unter anderem den neu geschaffenen Bereich „alternative Proteinquellen“. (Foto: Lutz)

Marcus Keitzer: Wir glauben an Wachstum durch Vielfalt. Wir sind als Unternehmen schon immer unkonventionelle Wege gegangen und verfolgen einen differenzierten Ansatz. Unsere Aufgabe als Lebensmittelhersteller ist es, für den Verbraucher viele verschiedene und überzeugende Angebote zu schaffen. Das tun wir: Wir bieten eine breite Produktpalette von konventionell erzeugtem Geflügelfleisch über Privathof-Geflügel (ein Haltungskonzept des Konzerns mit einem Mehr an Tierschutz, Anm. d. Red.) bis zu einem veganen Sortiment, das künftig um Produkte aus Zellkulturen ergänzt wird. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir unsere Produktpalette breiter aufstellen und uns als Anbieter von hochwertigen Proteinprodukten positionieren.

Die konventionelle Geflügelhaltung bleibt unser Stammgeschäft – auch noch in den nächsten 30 Jahren.

Marcus Keitzer

Die pflanzliche Ernährung hat sich in den vergangenen Jahren spürbar nach oben entwickelt. Dadurch ist eine interessante Nische entstanden. Unternehmen wie Beyond Meat und Good Catch stehen für die nächste Generation pflanzlicher Proteine. Klar ist aber, dass die konventionelle Geflügelhaltung weiter unser Stamm- und Kerngeschäft bleiben wird – und das auch noch in den nächsten 30 Jahren.

f3: Ein Verfahren für die industrielle IVF-Produktion ist noch nicht in Sicht. Entzieht In-vitro-Fleisch den Landwirten von morgen die Grundlage ihres Geschäftsmodells?

Marcus Keitzer: Der Geflügelmarkt wächst und das wissen unsere rund 1000 Vertragslandwirte. Die herkömmliche Geflügelfleischproduktion im Stall wird unser Kerngeschäft bleiben. Ergänzend wird es vegane Produktlinien und künftig auch ein In-vitro-Fleischangebot geben. Wir sehen das Wachstum des pflanzenbasierten Lebensmittelsektors nicht als Bedrohung für unser Kerngeschäftsfeld, sondern als Chance.

Das Thema Tierwohl rückt stärker in den Blickpunkt der Gesellschaft. Der Markt für Tierwohl-Produkte wird weiter wachsen.

Marcus Keitzer

f3: Menschen, die Nutztiere zur Gewinnung der tierischen Bestandteile halten, bleiben notwendig. Welche Vorstellung haben Sie von der Tierhaltung der Zukunft?

Marcus Keitzer: Das Thema Tierwohl rückt stärker in den Blickpunkt der Gesellschaft. Der Markt für Tierwohl-Produkte wird weiter wachsen. Vor allem unser Privathof-Konzept sehen wir als ein Zukunftsmodell. Ansonsten sind wir von der Marktreife von IVF noch so weit entfernt, dass wir hierzu keine seriöse Aussage treffen können.

In-vitro-Fleisch: Wunder mit Widersprüchen free

f3: Wie schätzen Sie die Akzeptanz des neuen Produktes beim Kunden ein?

Marcus Keitzer: In-vitro-Fleisch wird anfangs sicher erst eine Nische sein, aber es gibt durchaus eine Zielgruppe, die sagt: Klasse, ich kann weiter Fleisch essen, aber dafür muss kein Tier sterben.

f3: In Deutschland stechen Sie als Investor in diese Technologie hervor. Versprechen Sie sich von Ihrer Alleinstellung einen Vorsprung?

Marcus Keitzer: Wir wollen am Puls der Zeit sein und uns frühzeitig das Know-how für künftige Chancen sichern. Wir haben uns intensiv mit Start-ups, die Fleisch aus Zellkulturen entwickeln wollen, beschäftigt. Nach eingehender Prüfung haben wir uns für das israelische Start-up SuperMeat entschieden. Das Unternehmen ist mit seinem Forschungsansatz praxisnah unterwegs. SuperMeat will möglichst schnell Produkte im Bereich Meatmix auf den Markt bringen und versucht sich nicht wie manch andere an der hohen Kunst des Hähnchenbrustfilets. Die Wissenschaftler wollen binnen drei bis fünf Jahren marktfähige Produkte vorweisen.