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Wiesenhof-Mutter investiert weiter in Nischen free

Die PHW-Gruppe bleibt auf "alternativem" Investitionskurs: die jüngste Beteiligung geht an ein Unternehmen, das Sojaschrot im Geflügelfutter durch Insektenproteine ersetzen soll. (Foto: kokotewan/stock.adobe.com)

Dass die Wiesenhof-Mutter PHW kürzlich in Start-ups investiert hat, die an der Entwicklung von künstlichem Fleisch arbeiten, ist bekannt. Nun investierte der Konzern in vegane Fischprodukte und will Insektenpulver statt Soja in der Geflügelfütterung einsetzen.

Schaut man sich im Pressearchiv der PHW-Gruppe um, zu der auch die Geflügelmarke Wiesenhof gehört, findet man einige nennenswerte Meldungen aus jüngster Zeit, die Einblicke geben in die breite Investitionsstrategie des größten deutschen Geflügelproduzenten. Wir fassen zusammen:  

Wir sehen das Wachstum des pflanzenbasierten Lebensmittelsektors nicht als Bedrohung für unser bestehendes Kerngeschäftsfeld.

Peter Wesjohann, Vorstandsvorsitzender der PHW-Gruppe

Zum 1. Juli 2018 schuf die PHW-Gruppe einen neuen Geschäftsbereich „alternative Proteinquellen“, dessen Leitung der damals ebenfalls neu in den Vorstand berufene Marcus Keitzer übernahm. Noch in seiner alten Funktion als Analyst und Prokurist war er nach Unternehmensangaben maßgeblich an der Investition in das israelische Start-up SuperMeat beteiligt und hat ebenfalls die Vertriebspartnerschaft mit dem kalifornischen Jungunternehmen BeyondMeat mit eingestielt. Die Start-ups beschäftigen sich mit pflanzlichen Fleischersatzprodukten bzw. sogar mit „künstlichem“ Fleisch aus Zellkulturen.

Vegane Fischprodukte

Fleisch aus Zellkulturen: Wiesenhof beteiligt sich an zwei Start-ups free

Anfang August gab die PHW-Gruppe dann eine neue Beteiligung bekannt. Diesmal am amerikanischen Unternehmen Good Catch Foods, das eine vegane Alternative zu frischem Fisch sucht. Den Anfang macht ein Thunfisch-Ersatz aus Soja, Kichererbsen, Linsen und verschiedenen Bohnensorten. Nach Medienberichten betrug die Gesamthöhe der Finanzierungsrunde rund 8,7 Millionen Dollar. Welchen Betrag die PHW-Gruppe beisteuerte, ist nicht bekannt.

Peter Wesjohann, Vorstandsvorsitzender der PHW-Gruppe, sagte: „Wir sehen das Wachstum des pflanzenbasierten Lebensmittelsektors nicht als Bedrohung für unser bestehendes Kerngeschäftsfeld, sondern als Chance.“ Die Investition in Good Catch sei als Beginn einer langfristigen strategischen Partnerschaft zu begreifen.

Insektenpulver soll Soja ersetzen

Die vorerst jüngste Meldung erreichte die f3-Redaktion am gestrigen Montag: Die PHW-Gruppe beteiligt sich erneut an einem ausländischen Unternehmen, der kanadischen Enterra Feed Corporation. Sie hat ein Insektenprotein entwickelt, das langfristig gesehen eine Alternative zu Soja im Geflügelfutter darstellen könnte. Peter Wesjohann sagt: „Wir sind in viele wissenschaftliche Projekte involviert, die sich mit dem Ersatz von Sojaschrot durch andere eiweißhaltige Futtermittel beschäftigen. (…) Wir können heute noch nicht sagen, wann wir genau Soja im Geflügelfutter durch Insektenproteine ersetzen können. Wichtig ist für uns, dass wir diesen Weg jetzt einschlagen.“

Ob auch der Mensch langfristig auf Insekten als Nahrung setzt, ist noch ungewiss. Beim Tierfutter scheint dies weitaus wahrscheinlicher. (Foto: Drießen)

Die schwarze Soldatenfliege

Die Enterra Feed Corporation produziert und vermarktet laut Pressemitteilung Futterzusätze, die aus den Larven der schwarzen Soldatenfliege gewonnen werden, einer Insektenart, die in tropischen und gemäßigten Regionen der Welt zu finden ist. Die Larven werden auf lokal gewonnenen Nahrungsabfällen aufgezogen, die Nährstoffe enthalten, die ansonsten verloren gehen würden. Stattdessen verbrauchen die Insektenlarven die Abfallnährstoffe und wandeln sie in verwertbares Eiweiß, Fett und Energie um.

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