farm Wunschkonzert

„Wir wollen nicht 100% austauschbar sein.“

Veronika Obermayer und Sören Schultz bauen sich eine neue Existenz im Wendland auf. Was sie bewegt, erzählen sie in unserer Rubrik "Wunschkonzert". (Foto: privat)

Sören Schultz und Veronika Obermayer bauen eine Ziegenhaltung mit eigener Käserei im Wendland auf. In unserer Rubrik "Wunschkonzert" sprechen sie über verkrustete Strukturen und neue Chancen.

„Wir haben zuhause einen reinen 140 ha Ackerbaubetrieb mit Kartoffelanbau, nachdem wir die Bullen- und Schweinemast aufgegeben haben. Es war immer geplant, dass mein Bruder den Betrieb weiterführt. Ich wollte das eigentlich nie machen, auch wenn ich Agrarwissenschaft studiert habe. Aber dann hat er es sich anders überlegt und vor drei Jahren habe ich mich dann mit Veronika zusammen entschieden, es zu versuchen.

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Sören Schultz und Veronika Obermayer bauen eine Ziegenhaltung mit eigener Käserei im Wendland auf. In unserer Rubrik „Wunschkonzert“ sprechen sie über verkrustete Strukturen und neue Chancen.

„Wir haben zuhause einen reinen 140 ha Ackerbaubetrieb mit Kartoffelanbau, nachdem wir die Bullen- und Schweinemast aufgegeben haben. Es war immer geplant, dass mein Bruder den Betrieb weiterführt. Ich wollte das eigentlich nie machen, auch wenn ich Agrarwissenschaft studiert habe. Aber dann hat er es sich anders überlegt und vor drei Jahren habe ich mich dann mit Veronika zusammen entschieden, es zu versuchen.

Uns wurde klar, dass es nicht einfach so weitergehen kann wie bisher.

Sören Schultz

Meine Freundin und ich haben uns überlegt, was uns langfristig glücklich macht und uns wurde klar, dass es nicht einfach so weitergehen kann wie bisher. Wir entschieden, dass wir unabhängig wirtschaften möchten. Doch dafür müssen wir im Grunde ganz von vorne anfangen, weil die Strukturen, in denen viele Landwirte stecken, viel zu starr sind.

Neues Standbein: Ziegenkäse 

Nächstes Jahr soll die Käserei fertig sein. Sören sagt: „Die Wertschöpfung soll am Hof bleiben.“ (Foto: privat)

Mehr als 50 % unserer Flächen sind gepachtet, das macht uns abhängig von anderen. Der Kampf ums Land ist schon heftig! In der Fläche zu wachsen ist extrem schwierig. Wir wollten unseren Betrieb deswegen breiter aufstellen und diversifizieren. Nun bauen wir die alten Stallungen zu einem Ziegenstall für 80 bis 100 Mutterziegen um – und eine eigene Käserei auf. Wir wollen die Wertschöpfung am Hof belassen und ein handwerklich exklusives Produkt verkaufen, das nicht noch woanders veredelt wird. Wir hoffen, dass uns das als Produzent nicht 100 % austauschbar macht.

„Wir wirtschaften nicht mehr hinter verschlossenen Türen.“

Auch wenn wir vielfach, auch von Berufskollegen, belächelt werden, glauben wir an unseren Plan. Die größte Herausforderung ist die Vermarktung. Tierhaltung und Käseproduktion kriegen wir schon hin – aber von der Vermarktung hängt so ziemlich alles ab. Wir wissen, dass viele das unterschätzen. Aber den Fehler wollen wir nicht machen!

Vermarktung ist die Krux

Derzeit sind wir noch mit dem Umbau beschäftigt. Aber sobald wir uns von den alten Lieferverträgen lösen können, die Herde gewachsen ist und der Käse schmeckt, habe ich hoffentlich wieder Gehirnkapazitäten frei, um die Vermarktung einzustielen.

Wir möchten unabhängig wirtschaften. Dafür müssen wir von vorne anfangen, weil die Strukturen zu starr sind.“

Sören Schultz

Bislang fahren wir mehrgleisig: Wir streben eine EU-Zertifizierung der Käserei an. Das heißt wir könnten neben einer Direktvermarktung auf Hof und Wochenmarkt auch mehr als 30 % unserer Produkte in einem Radius von mehr als 100 km an Wiederverkäufer vertreiben. Das Gute ist aber: Wir haben noch Zeit. Zur Zeit leben wir noch ausschließlich vom Ackerbau, nächstes Jahr soll die Käseproduktion starten. Wir machen einen Schritt nach dem nächsten.“