farm Wunschkonzert

Mehr Fläche? Nicht für Quereinsteiger.

Für Wollschweine brennt Landwirtschafts-Quereinsteiger Andrej Babitz. Im Wunschkonzert berichtet er von Hürden, die er noch überwinden muss, um richtig durch zu starten. (Foto: Babitz)

Andrej Babitz hat seine landwirtschaftliche Nische gefunden. Er züchtet das Wollschwein und vermarktet das Fleisch hochpreisig. Am liebsten würde der Quereinsteiger den Betrieb im Vollerwerb führen. Wenn da nicht der Kampf um mehr Fläche und die überbordende Bürokratie wäre.

„Ich bin selbstständiger Malermeister, wollte aber immer in die Landwirtschaft einsteigen. Vor fünf Jahren habe ich mit meiner Frau den stillgelegten Resthof meines Opas in der Nähe von Gießen übernommen und ein Konzept für eine Freilandhaltung von Schweinen erarbeitet. Wir haben uns für eine besondere Rasse entschieden: das Mangalitza- oder auch Wollschwein. Es steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten und es war echt aufwändig, eine kleine Zucht aufzubauen. Die Idee ist: Rasse erhalten durch aufessen.

Wollschwein
Andrej Babitz startete seinen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb in Hessen. (Foto: Babitz)

Schinken vom Wollschwein für 60 bis 90 € das Kilo

Das Wollschwein ist was für Liebhaber: es zählt zu den Speckschweinerassen und hat das drei- bis vierfache der normalen Speckschicht. Aber das Geschäft brummt. Das Fett ist einfach nicht vergleichbar mit normalem Bauchspeck, sondern ein wahrer Geschmacksträger. Wir vermarkten alle Teile des Schweins. Das Fleisch geht ins Rote hinein, fast ins Rindfleischartige. Besonders gut läuft der geräucherte Speck, der immer schon vergriffen ist, bevor er vom Schlachter zurückkommt. Auch unser Lado, ein eingelegter Speck, läuft. Die Preise sind ebenfalls gut: Die Kotlettes gehen für das drei- bis vierfache des üblichen Preises weg. Der Schinken kostet 60 bis 90 € das Kilo. Noch ist unser Online-Shop nichtmal fertig - die Leute rufen einfach an und bestellen.

Das Wollschwein ist was für Liebhaber.

Andrej Babitz

Wir sind mit einer Handvoll Schweinen angefangen. Bis zum vergangenen Jahr hatten wir uns dann auf 80 Tiere gesteigert. Uns stehen derzeit 9 ha Fläche für die Freilandhaltung zur Verfügung, auf denen wir im Wechsel immer gut 1 ha abzäunen und die Tiere irgendwann weitertreiben. Das ist nötig, damit die Fläche erhalten bleibt und immer neu eingesät werden kann. In diesem Jahr mussten wir feststellen, dass die Fläche für die Tierzahl nicht ausreicht. Der Schaden war trotz der Streu von Hackschnitzeln im Winter durch die Schweine und die Traktoren zu groß. Also haben wir die Herde schweren Herzens wieder auf 40 Tiere reduziert.

https://f3.de/schweinemast-mal-anders/

Der Traum: Vollerwerb

Wir benötigen weitere Fläche. Schon allein aus genehmigungstechnischen Gründen sind wir dazu verpflichtet, darauf hinzuarbeiten, den Betrieb irgendwann im Vollerwerb zu führen. Genau das möchten wir ja auch. Aber es gibt einen Streit um die Fläche, die an unsere Wiesen grenzt und die wir kaufen wollen. Ein anderer Landwirt im Ort hat Einspruch eingelegt und will das Land auch haben. Wenn die Rubrik „Wunschkonzert“ heißt, dann wünsche ich mir mehr Zusammenhalt unter den Bauern und mehr Miteinander.

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Andrej Babitz hat seine landwirtschaftliche Nische gefunden. Er züchtet das Wollschwein und vermarktet das Fleisch hochpreisig. Am liebsten würde der Quereinsteiger den Betrieb im Vollerwerb führen. Wenn da nicht der Kampf um mehr Fläche und die überbordende Bürokratie wäre.

„Ich bin selbstständiger Malermeister, wollte aber immer in die Landwirtschaft einsteigen. Vor fünf Jahren habe ich mit meiner Frau den stillgelegten Resthof meines Opas in der Nähe von Gießen übernommen und ein Konzept für eine Freilandhaltung von Schweinen erarbeitet. Wir haben uns für eine besondere Rasse entschieden: das Mangalitza– oder auch Wollschwein. Es steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten und es war echt aufwändig, eine kleine Zucht aufzubauen. Die Idee ist: Rasse erhalten durch aufessen.

Wollschwein
Andrej Babitz startete seinen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb in Hessen. (Foto: Babitz)

Schinken vom Wollschwein für 60 bis 90 € das Kilo

Das Wollschwein ist was für Liebhaber: es zählt zu den Speckschweinerassen und hat das drei- bis vierfache der normalen Speckschicht. Aber das Geschäft brummt. Das Fett ist einfach nicht vergleichbar mit normalem Bauchspeck, sondern ein wahrer Geschmacksträger. Wir vermarkten alle Teile des Schweins. Das Fleisch geht ins Rote hinein, fast ins Rindfleischartige. Besonders gut läuft der geräucherte Speck, der immer schon vergriffen ist, bevor er vom Schlachter zurückkommt. Auch unser Lado, ein eingelegter Speck, läuft. Die Preise sind ebenfalls gut: Die Kotlettes gehen für das drei- bis vierfache des üblichen Preises weg. Der Schinken kostet 60 bis 90 € das Kilo. Noch ist unser Online-Shop nichtmal fertig – die Leute rufen einfach an und bestellen.

Das Wollschwein ist was für Liebhaber.

Andrej Babitz

Wir sind mit einer Handvoll Schweinen angefangen. Bis zum vergangenen Jahr hatten wir uns dann auf 80 Tiere gesteigert. Uns stehen derzeit 9 ha Fläche für die Freilandhaltung zur Verfügung, auf denen wir im Wechsel immer gut 1 ha abzäunen und die Tiere irgendwann weitertreiben. Das ist nötig, damit die Fläche erhalten bleibt und immer neu eingesät werden kann. In diesem Jahr mussten wir feststellen, dass die Fläche für die Tierzahl nicht ausreicht. Der Schaden war trotz der Streu von Hackschnitzeln im Winter durch die Schweine und die Traktoren zu groß. Also haben wir die Herde schweren Herzens wieder auf 40 Tiere reduziert.

Der Traum: Vollerwerb

Das Wollschwein steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. (Foto: Babitz)

Wir benötigen weitere Fläche. Schon allein aus genehmigungstechnischen Gründen sind wir dazu verpflichtet, darauf hinzuarbeiten, den Betrieb irgendwann im Vollerwerb zu führen. Genau das möchten wir ja auch. Aber es gibt einen Streit um die Fläche, die an unsere Wiesen grenzt und die wir kaufen wollen. Ein anderer Landwirt im Ort hat Einspruch eingelegt und will das Land auch haben. Wenn die Rubrik „Wunschkonzert“ heißt, dann wünsche ich mir mehr Zusammenhalt unter den Bauern und mehr Miteinander.

Sage und schreibe drei Jahre hat es gedauert, bis wir die Genehmigungen durch hatten.

Andrej Babitz

Der andere Wunsch wäre der Abbau der Bürokratie: Sage und schreibe drei Jahre hat es gedauert, bis wir die Genehmigungen durch hatten. Vom Veterinäramt über das Bauamt und die Naturschutzbehörde bis zum Minsterium in Wiesbaden – insgesamt 14 Ämter mussten wir abklappern! Das war wirklich ein harter Kampf. Da hat man die eine Auflage erfüllt, da wird einem schon der nächste Stein in den Weg gelegt. Wir hatten das Glück, dass wir den Malerbetrieb im Hintergrund haben und das Geld investieren konnten. Aber manchmal verliert man fast den Mut. Wir ziehen das jetzt durch. Zum Aufgeben macht es einfach zu viel Spaß.“