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Zukunft entlang der Wertschöpfung free

Im Rahmen der Agritechnica findet auch in diesem Jahr die FoodNext statt. Noch sind Plätze frei. (Foto: FoodNext)

„Es mangelt an großen Visionen, die den Anspruch haben, das System als solches zu verbessern.“ Das sagen die Initiatoren der FoodNext, die wieder auf der Agritechnica stattfinden wird. Wer diese Visionen mit antreiben möchte, kann sich noch um eine Teilnahme bewerben.

f3 – farm. food. future: „By invite only“ – das klingt erstmal sehr exklusiv. Was ist die FoodNext und für wen ist sie gedacht?

Borris Förster: Die FoodNext ist ein Think Tank für Innovatoren, Investoren und Gründer, die das Agrifood-Ökosystem von Morgen gestalten wollen. Als wir vor zwei Jahren die erste FoodNext auf der Agritechnica ins Leben gerufen haben, haben wir festgestellt, dass ein kuratiertes Auditorium den meisten Mehrwert für alle Beteiligten bringt. Wir haben es dadurch geschafft, ein sehr starkes Netzwerk aufzubauen, das auch nachhaltig allen Teilnehmern hilft, die richtigen Kontakte zu identifizieren.

Neben Vorträgen steht die gemeinsame Diskussion im Vordergrund. (Foto: FoodNext)

f3: Ziel der FoodNext ist es also nicht zuletzt, das deutsche Start-up-Ökosystem entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette zu verbessern: Wieso eigentlich? Wo hakt es derzeit am meisten?

Fabio Ziemssen: Wir setzen uns für einen cross-funktionalen Austausch zwischen den einzelnen Wertschöpfungsstufen ein. Das bedeutet, dass wir von der Produktion über die Weiterverarbeitung bis zum Handel alle Beteiligten in den Austausch bringen wollen. Es mangelt oftmals an großen Visionen, die den Anspruch haben, das System als solches zu verbessern. Ob wir nun unseren Ernteertrag effizienter gestalten, intelligente Produktionsprozesse oder einen Super-Smoothie haben, ist für das große Ganze zunächst einmal nicht allzu relevant. Wir müssen verstehen, dass die großen Herausforderungen wie Klimawandel, Bevölkerungswachstum und der Niedergang der Biodiversität holistische Konzepte und Lösungen verlangen, die über die komplette Wertschöpfungskette entwickelt werden.

Gemeinsame Sprache finden

f3: Uns kommt es immer so vor, als sei die Szene unterm Strich recht klein. Wie können mehr Akteure aus allen beteiligten Bereichen an den derzeitigen Umwälzungen im Agribusiness beteiligt und mitgenommen werden?

Borris Förster: Auch hier gilt es die verschiedenen Lösungsansätze mit gemeinsamen Zukunftsbildern zusammenzubringen und neuen Akteuren die Notwendigkeit zum Handeln nahezubringen. Das wichtigste dabei ist neben dem richtigen Erwartungsmanagement eine gemeinsame Sprache. Oftmals fühlen sich die Etablierten zwischen Blockchain, SeedInvestments und Predictive Analytics abgehängt.

Es werden zukünftig nicht mehr alle Teilnehmer der Wertschöpfungskette benötigt.

Borris Förster

f3: KI, autonome Feldroboter, Blockchain: Welche Technologie wird die Landwirtschaft von morgen am meisten beeinflussen? Und wie geht ihr diese großen Themen auf einer einzigen Veranstaltung an?

Fabio Ziemssen: Wenn wir von einer zunehmenden Vernetzung der Lebensmittelwirtschaft ausgehen, müssen wir entsprechend die Technologien auf der FoodNext platzieren, die den größten Impact auf alle beteiligten Akteure haben. Das sind Themen wie:

  • Nachverfolgbarkeit der Wertschöpfungskette (z.B. mit Hilfe einer privaten Blockchain),
  • KI-befähigte Präzisionslandwirtschaft,
  • Standardisierung bzw. Normalisierung von Daten,
  • Entwicklung neuer Lebensmittellösungen wie alternative Proteinquellen oder
  • Innovationen, die die Vollautomatisierung zwischen den Wertschöpfungstufen vorantreiben.

Borris Förster: Nur mit einem holistischen Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette können wir wirklich verstehen, welche großen Veränderungen auf uns zu kommen. Nimm z.B. das Thema „cultivated meat“. Der Trend hinzu Alternativen Proteinquellen wird sich fortsetzen und in nicht zu ferner Zukunft im Mainstream ankommen. Das wird einige große Veränderungen in der Agrarwirtschaft nach sich ziehen. Zuerst für Mast- und Milchviehbetriebe, Schlachtbetriebe und dann natürlich auch Futtermittelproduktion und alle weiteren heutigen Teilnehmer in der Wertschöpfungskette. Es werden zukünftig nicht mehr alle Teilnehmer benötigt.

Welche Rolle spielt der Landwirt?

f3: Welche Rolle kommt bei all diesen hochtechnologischen Fragen eigentlich dem einzelnen Landwirt zu?

Borris Förster: Der Landwirt spielt die wichtigste Rolle zu Beginn der Wertschöpfung. In Zukunft wird ihm die Rolle des Orchestrierers zugeschrieben, der verantwortungsvoll neue Technologien kombiniert und das höchste Maß an Transparenz und Rückverfolgbarkeit gewährleistet.

f3: In der Agrar- und Food-Start-up-Szene seid ihr beiden mittlerweile bekannt wie bunte Hunde. Aber für alle, die später eingeschaltet haben: Wie kam es dazu, dass ihr euch als „Team“ gefunden und euch auf diese Nische gestützt habt? Und was muss passieren, damit ihr euch anschaut und sagt: „Schön, jetzt läuft alles. Jetzt können wir uns zur Ruhe setzen.“

Fabio Ziemssen: Das freut uns sehr zu hören. Wir beide arbeiten schon seit einiger Zeit eng an der Vernetzung von AgTech und FoodTech, um ein gemeinsames Verständnis davon zu schaffen, dass es eigentlich keine Trennung gibt. Für uns war diese Aufteilung von Anfang an eher zufällig, da wir beide aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Transformation in der Lebensmittelbranche betrachtet haben. Der eine vom Acker, der andere vom Teller aus. Wir würden uns erst dann zur Ruhe setzen, sobald wir feststellen, dass wir unseren Beitrag für eine innovative und nachhaltige Landwirtschaft im bestmöglichen Ausmaß geschaffen haben.


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